Behandlungsschwerpunkte

  • Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie

Die Klinik Reinhardstal ist eine Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie, die auf der Grundlage eines tiefenpsychologisch fundierten Konzepts unter Integration von Verhaltenstherapie, humanistischen und systemischen Therapieverfahren sowie Kreativverfahren (Konzentrative Bewegungstherapie, Gestaltungstherapie) arbeitet.

In der Klinik Reinhardstal behandeln wir ein weites Spektrum psychogener Erkrankungen:

  • Belastungs- und Anpassungsstörungen
  • Angst- und Panikattacken (mehr)
  • Psychovegetative Syndrome
  • Erschöpfungszustände und somatopsychische Störungen
  • Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
  • Depressive Erkrankungen (mehr)
  • Chronische Schmerzstörungen, somatoforme Schmerzstörungen (mehr)
  • Chronische Rückenschmerzen (mehr)
  • Chronische Schmerzen (Kopf- und Gesichtsschmerz, Migräne) (mehr)
  • Essstörungen (mehr)
  • Organische und andere Psychosen in kompensiertem Zustand
  • Neurasthenische Syndrome
  • Psychische Störungen bei beruflichen Problemlagen (mehr)
  • Psychische Störungen bei Migrationshintergrund
  • Anpassungsstörungen im höheren Lebensalter (mehr)
  • Psychische Störungen bei familiären Problemen unter Einbeziehung der Angehörigen und Partner (mehr)

Eine Kontraindikation für die Behandlung besteht bei akuter Suizidalität, akuten psychotischen Störungen sowie bei floriden Suchterkrankungen (Alkohol, illegale Drogen)

Die Patienten müssen geh- oder rollstuhl- und selbsthilfefähig sein. (An- und Auskleiden, Orientierung im Haus etc.)

 

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Angststörungen - Phobische Störungen – Panikstörungen

Angsterkrankungen gehören neben Depressionen zu den häufigsten psychischen Störungen überhaupt. Die Häufigkeit ist mit einem Betroffenheitsanteil von ca. 12 – 15% der Bevölkerung sehr hoch; hinzukommt, dass Angststörungen häufig mit einer Depression einhergehen und durch körperliche Beschwerden überdeckt sind. Unabhängig davon, ob es sich um die Angst im Kontakt mit anderen, um Höhenangst, Flugangst oder auch um plötzliche Panikattacken handelt, ist Patienten mit Angststörungen eines gemeinsam: der Versuch, Situationen zu vermeiden, welche die als unerträglich empfundenen Ängste auslösen. Dies führt dazu, dass sich der Handlungsspielraum zunehmend einschränkt, bis die Angst schließlich das gesamte Leben bestimmt.

Behandlungsansatz

Um der Kernproblematik und den unterschiedlichen Ausdrucksformen von Angsterkrankungen gerecht zu werden, wurde in der Klinik Reinhardstal ein diagnostisch-therapeutisches Konzept entwickelt, dass eine flexible und differentielle Behandlungsausrichtung an der Problemlage und den Ressourcen der Patienten ermöglicht. Dazu werden verhaltenstherapeutische Methoden (Konfrontationstherapie, Soziales Kompetenztraining etc.) mit „angstprovokativen“ und beziehungsdynamischen Ansätzen verknüpft, um die Patienten aus der häufig verfestigten Kampf- und Vermeidungshaltung herauszuführen, ihr Selbstwirksamkeitserleben zu fördern und Lösungen für zwischenmenschliche Problemlagen zu entwickeln. Der zentrale Ansatzpunkt der Therapie besteht darin, zu lernen, die ängstigenden Situationen bzw. körperlichen Symptome als Herausforderung zu begreifen, die man zwar fürchtet, aber durchaus auch selbst provozieren und bewältigen kann. Bestandteil dessen ist die Anleitung zur Überprüfung und Veränderung dysfunktionaler Denk- und Handlungsmuster. Zudem werden Kenntnisse über die Psychophysiologie der Angst vermittelt, dies kombiniert mit einer Trainingstherapie, die es ermöglicht, körperliche Reaktionen mit Belastung und Entspannung in Verbindung zubringen und somit angstfrei zu erleben (Umattribuierung). Durch die wiederholte, konkrete und korrigierende Erfahrung, dass das Angsterleben nicht in die Katastrophe führt, wird ein komplexer Umlernprozess im Sinne der Angstbewältigung in Gang gesetzt.

1. Basistherapie

  • Medizinische Untersuchung mit Ausschluss von körperlichen Erkrankungen.
  • Einzeltherapie mit Fokussierung der zentralen Angstproblematik des Patienten, Erarbeitung eines Erklärungsmodells, Vorbereitung der Konfrontationstherapie, Konkretisierung von Beobachtungs- und Verhaltensübungen, Klärung der beziehungsdynamischen Relevanz.
  • Einzeltherapeutisches Angstbewältigungstraining als Fahrschultraining (PKW), Höhentraining, körperliches Belastungstraining.
  • Entspannungsverfahren (PMR), Stressbewältigungstechniken sowie Selbstachtsamkeitsübungen (z.B. über Konzentrative Bewegungstherapie, Körperwahrnehmung).

2. Kombiniertes Angstbewältigungstraining

  • Psychoedukative Grupppe: Information über Psychophysiologie der Angst, Erstellung eines persönlich „Angstkreislaufs“, Erarbeitung der anstehenden „Konfrontationsschritte“, Arbeitsmaterialien und Therapieaufgaben
  • Physiotherapeutische Trainingsgruppe: Aktivierung bedrohlich erlebter körperlicher Prozesse (Herzrate, Atmung, Schwindel, Muskeltonus) mit dem Ziel, eine Umattribuierung und Entängstigung einzuleiten und das Vertrauen in eigene Bewältigungsstrategien zu fördern.
  • Selbsthilfegruppe (mit Anleitung): Erfahrungsaustausch, gemeinsame Bearbeitung von Übungsmaterialien, Einzel- und Gruppenübungen zur  Angstbewältigung.

3. Soziales Kompetenztraining

  • Training sozial kompetenten Verhaltens (sich behaupten, um Sympathie werben, Kontakt aufnehmen, Beziehungen gestalten); Überprüfung dysfunktionaler Erwartungs- und Verhaltensmuster sowie von Angst-, Ärger- und Schamgefühlen anhand von Selbst- und Fremdwahrnehmung.
  • Bearbeitung von Erwartungs- und Verhaltensmustern, die Ängste auslösen bzw. aufrechterhalten (z.B. interpersonelle „Teufelskreise“: Persönliches Verhalten – Reaktion anderer – Rückwirkung auf den Betroffenen).
  • Methoden: Rollenspiele, Übungsaufgaben, Gruppenfeedback.

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Depressionen

Depressive Erkrankungen weisen eine hohe gesundheitspolitische und sozialökonomische Bedeutung auf; sie gehören mit einem Vorkommen von ca. 8 bis 20 % zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, 15 – 20% der Patienten mit einer depressiver Episode zeigen einen chronischen Verlauf. Hinzu kommt die hohe Belastung der Angehörigen; etwa 40 % der Partner von depressiv Erkrankten bedürfen selbst einer Psychotherapie

Behandlungskonzept

Depressive Erkrankungen zeichnen sich trotz unterschiedlicher Entstehung und Ausdrucksform durch eine problematische Verschränkung von innerpsychischen (beeinträchtigtes Selbstwertgefühl, konfliktbedingte Blockierungen; negative Einstellungsmuster), interpersonellen (Bindungsunsicher-heiten, kommunikative Schwierigkeiten) und sozialen Belastungen (existenzielle Probleme durch Trennung, Arbeitslosigkeit) aus. Die Symptome (sozialer Rückzug, pessimistische Stimmung, Reizbarkeit) wie auch die typischen psychoreaktiven Auslöser (Verlust von nahen Bezugspersonen, Partnerschaftskonflikte, Entwurzelungen) weisen auf eine hohe Beziehungsrelevanz hin. Für das therapeutische Vorgehen ergibt sich daraus, die Bearbeitung der „depressiven Problemlage“ der Patienten eng mit der Klärung der für sie aktuell bedeutsamen zwischenmenschlichen Schwierigkeiten zu verknüpfen.
Je nach Indikation kann der psychotherapeutische Schwerpunkt auf der Konkretisierung problematischer Beziehungskonstellationen (z.B. übermäßige Anpassung und altruistisches Verhalten, um die Bindung an eine Bezugsperson zu sichern), auf der Förderung von interaktionellen und kommunikativen Fähigkeiten (Wahrnehmung der wechselseitigen Bezogenheit; Förderung der Gefühlswahrnehmung und Empathie) und/oder auf der Umstrukturierung kognitiv-emotionaler Muster liegen, die depressive Störungen hervorrufen oder begünstigen. Das Ziel kann darin bestehen, zum Eingehen neuer Beziehungen zu ermutigen (soziale Aktivierung), die Konfliktklärung mit nahen Bezugspersonen zu fördern oder dazu zu befähigen, sich aus einer nicht veränderbaren negativen Beziehung zu lösen. Ziel kann es aber auch sein, Defizite und Einschränkungen in der interaktionellen Kompetenz, wie sie sich insbesondere bei chronischen Depressionen zeigen, durch das Erlernen von sozialen Fertigkeiten zu verringern, um die Patienten in die Lage zu versetzen, aus ihrer sozialen Isolation herauszutreten und unterstützende Beziehungen aufzubauen und zu erhalten.

Behandlungsangebot

Unser Behandlungskonzept für Depressionen stützt sich auf psychodynamische, paar- und familien-therapeutische, kognitiv-verhaltenstherapeutische und interpersonelle Therapiekonzepte, die flexibel an der jeweiligen Problemlage des Patienten ausgerichtet werden. Die Informations- und Motivationsarbeit erfolgt im Rahmen einer psychoedukativen Gruppe; die weitere Behandlung der persönlichen und interaktionellen Probleme wird in Kombination von Einzel- und Gruppentherapie durchgeführt. Hinzu kommen Maßnahmen zur sozialen Aktivierung, zur Verbesserung des Körper- und Lebensgefühls sowie zur Klärung sozialer Problemlagen (Klinischer Sozialdienst).

1. Basistherapie: Diagnostische Abklärung, Psychoedukation, soziale Aktivierung

  • Einzeltherapie mit diagnostischer Abklärung der aktuell bedeutsamen „depressiven Problemlage“, Orientierung auf den interpersonellen Schwerpunkt der Therapie und soziale Aktivierung.
  • Abklärung somatischer Faktoren und Überprüfung der antidepressiven Medikation.
  • Psychoedukative Gruppe mit grundlegenden Informationen über Depressionen (Ätiologie, Ausdrucksform, Beziehungsrelevanz) und therapeutische Ansatzpunkte sowie Motivierung zu eigenverantwortlichen Bewältigungsschritten.

2. Förderung interpersoneller Kompetenzen (Gruppentherapie, Paar- und Familiengespräche)

  • Indikationsabhängige Gruppentherapie (Interaktionelle Gruppe zur Bearbeitung problematischer Beziehungsmuster, Soziales Kompetenztraining zur Entwicklung kommunikativer Fertigkeiten, Konzentrative Bewegungstherapie zur Förderung eines positiven bzw. differenzierteren Selbst- und Körperlerlebens).
  • Information über beziehungsdynamische Aspekte der Depression, Förderung des kommunikativen Austauschs sowie Unterstützung einer ggf. erforderlichen Konfliktklärung im Rahmen von Paar- und Familiengesprächen sowie speziellen Partner- und Angehörigen-seminaren. (mehr)

3. Verbesserung des Körper- und Lebensgefühls (Bewegung, Ernährung, Freizeitverhalten)

  • Förderung kommunikativer und alltagsrelvanter Kompetenzen im Rahmen von Terrainwandern, sportlichen Aktivitäten (Nordic Walking, sportliche Spiele) und Freizeittherapie
  • Genusstraining und Förderung einer gesunden Ernährungsweise durch gemeinsames Kochen in der Lehrküche. (mehr)
  • Verbesserung des Körpergefühls und der Fähigkeiten zur Spannungsregulation (Autogenes Training, PMR , Aqua-Healing, Körperwahrnehmung)

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Schmerzstörungen

Chronische Schmerzen sind eine der Hauptursachen für Arbeitsunfähigkeit, neben Krankheits-fehlverarbeitungen stehen dabei somatoforme Störungen mit dem Leitsymptom Schmerz im Vordergrund. Inadäquat lange Intervalle bis zur Diagnosestellung, lange Arbeitsunfähigkeitszeiten, unangemessene Deaktivierung der Patienten enden nicht selten in Frühberentungen, ohne dass die möglicherweise bestehende somatoforme Schmerzstörung einer ursächlichen Therapie zugeführt wird oder der Betroffene adäquate Coping-Strategien zur Bewältigung chronischer Schmerzen zur Verfügung gestellt bekommt.

Das Behandlungskonzept der Klinik Reinhardstal basiert auf einem interdisziplinären Ansatz unter Einbeziehung der folgenden Fachrichtungen: Psychotherapie, Psychiatrie, Neurologie, Orthopädie, Innere Medizin, Physiotherapie, Balneotherapie sowie Körper- und Kreativtherapie. Das Indikationsspektrum umfasst Schmerzkrankheiten unterschiedlicher Genese, z.B. somatoforme Schmerzstörungen, Schmerzen in Kombination mit affektiven Störungen, chronisch neurogene Schmerzsymptome, chronische Kopfschmerzen (Spannungskopfschmerzen, Migräne), atypische Schmerzen, chronische Rückenschmerzen und Fibromyalgie.

Störungsspezifische Aspekte bei somatoformen Schmerzstörungen

Die Beeinträchtigung der Affektwahrnehmung und der Affekttoleranz sind als zentrale Komponenten der Somatisierung anzusehen; bedeutsam ist dabei auch eine inversive Beziehung zwischen vermindertem Affektausdruck und erhöhter physiologischer Erregung. Die erhöhte physiologische Reaktionsbereitschaft stellt möglicherweise das körperliche Substrat der Somatisierung dar. Im Rahmen der Schmerzverarbeitung kommt der Fehlbewertung körperlicher Signale eine wichtige Bedeutung zu. Normale körperliche Empfindungen werden intensiver wahrgenommen und als Zeichen einer somatischen Erkrankung fehlinterpretiert. Verbunden damit sind eine geringe Toleranz für normale körperliche Befindlichkeitsschwankungen sowie hohe Erwartungen an die medizinische Behandlung. Zudem besteht eine hohe Komorbidität mit affektiven Störungen, insbesondere mit Depression (vgl. Rudolf: depressive Somatisierung).
Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass bei Patienten mit somatoformen Schmerzstörungen häufig extreme Kindheitsbelastungen und Traumatisierungen vorliegen, z.B. körperliche Misshandlungen, sexueller Missbrauch und emotionale Vernachlässigung.

Behandlungsangebot

Aufgrund des bei Schmerzkranken häufig vorherrschenden somatischen Krankheitsverständnisses und des auf Schmerzlinderung begrenzten Behandlungsauftrages sieht unser Behandlungskonzept differenzierte therapeutische Ansatzpunkte vor, die sich aus der Kombination von beziehungs- bzw. konfliktdynamischen und symptomorientierte Behandlungselementen ergeben. Die Indikationsstellung ist individuell an der jeweiligen Problemlage ausgerichtet (z.B. in Abhängigkeit davon, ob die Symptombewältigung oder aber die Bearbeitung konflikthafter Hintergründe im Vordergrund steht) und kann insofern zwischen Verbesserung der Körperwahrnehmung, körperlichem Training, Schmerzbewältigung und/oder der Bearbeitung intra- und interpersoneller Konflikte variieren.

1. Basistherapie

  • Medizinische Untersuchung, differentielle Abklärung körperlicher Verursachungszusammen-hänge und Behandlungsindikationen, Überprüfung der Medikation.
  • Psychodynamische bzw. verhaltensanalytische Diagnostik mit Präzisierung von psycho-dynamischen/lerngeschichtlichen Faktoren der Schmerzentstehung und -aufrechterhaltung, von dysfunktionalen Strategien der Schmerzbewältigung sowie von positiven Bewältigungsfertigkeiten (Ressourcen).
  • Einzeltherapie mit Fokussierung von schmerzauslösenden Ereignissen und persönlichen Bewältigungsreaktionen (Selbstbeobachtung, Schmerzprotokoll) .
  • Entspannungsverfahren, PMR, Stressbewältigungstechniken sowie Selbstachtsamkeitsübungen

2. Erweiterte Schmerzbewältigungstherapie

  • Psychoedukative Gruppe zur Schmerzbewältigung mit Training und Überprüfung der persönlichen Bewältigungsstrategien; Einübung in Wahrnehmungsdifferenzierung, Aufmerksamkeitsumlenkung, Genusswahrnehmung.
  • Schmerzphysiotherapie, physiotherapeutische und sporttherapeutische Aktivierung, Förderung der Körperwahrnehmung, Überprüfung und Veränderung körperlicher Schonhaltungen, muskuläre Auflockerung.

3. Fokusorientierte Gruppentherapie

  • Je nach Behandlungsfokus Integration in die interaktionelle Gruppentherapie (Beziehungsfokus), in das soziale Kompetenztraining (Einübung sozialer Fertigkeiten), die Konzentrative Bewegungstherapie (körperliches Selbsterleben und Körperbild).

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Essstörungen

(Bulimie und Binge-Eating-Disorder)

Etwa 5 Millionen Frauen und Männer in Deutschland leiden an Essstörungen. Mit 2% der Gesamt-bevölkerung über alle Altersklassen ist die Binge-Eating-Disorder die häufigste Essstörung. Unter allen Übergewichtigen stellt diese Gruppe ca. 5%. Ein Drittel der Betroffenen sind nach aktueller Schätzung Männer. Die zweithäufigste Essstörung ist die Bulimie, Frauen im Alter von 20 bis 35 Jahren stellen dabei die am stärksten betroffene Erkrankungsgruppe dar. Der Männeranteil der an Bulimie Erkrankten wird dabei inzwischen auf mindestens ein Zehntel geschätzt.Für PatientInnen ab dem vollendeten 18. Lebensjahr mit diesen „reiferen Essstörungen“ bieten wir spezifische Behandlungsmodule im Rahmen unseres methodenübergreifenden Behandlungskonzeptes an.Wir verstehen die Essstörung als komplexe psychosomatische Erkrankung, bei der es sich in der Regel um eine seelische Entwicklungsstörung und gestörte Körperwahrnehmung handelt, die im Verlauf zu spezifischen körperlichen und seelischen Folgen führt. Im Mittelpunkt der Behandlung steht dabei die psychotherapeutische Auseinandersetzung um die der Essstörung zugrunde liegende Per-sönlichkeitsproblematik. Im Kern handelt es sich dabei - wie bei allen Formen von Essstörungen - vor allem um einen Mangel an gesunder Selbstbehauptung, Eigenständigkeit und Selbstwerterleben.  

Störungsspezifische Therapieziele

Ziel der Therapie der Bulimie ist, das Gewicht zu halten und das Hauptsymptom, die Ess-Brech-symptomatik, aufzugeben. Die PatientInnen lernen, ihren Bedarf entsprechend zu essen. Es geht um die Akzeptanz der eigenen Körperlichkeit und nicht um das Anstreben eines Idealgewichtes.
Ziel der Binge-Eating-Störung ist, die Essanfälle aufzugeben, um das Gewicht auf Dauer zu reduzieren. Es geht darum, ein normales Essen zu erlernen. Störungsunspezifisch geht es auch hier um die Akzeptanz der eigenen Körperlichkeit, also um Selbstannahme und Selbstwerterleben.
Behandlungsangebot

1. Störungsspezifisches Basisangebot

  • Lehrküchenveranstaltungen speziell für Essgestörte mit gemeinsamem Einkauf, Kochen und Essen in Anwesenheit und mit Hilfe einer speziell geschulten Ernährungsberaterin. Ziele hierbei sind die Vermittlung eines angemessenen Gefühls für Essensmengen und Energiebedarf sowie die Förderung von Esskultur und Genussfähigkeit in der stationären Gemeinschaft mit anderen. Die Lehrküchenveranstaltungen sollen helfen, ein normales Essverhalten zu erlangen und exzessives Essen von seelischen Spannungszuständen zu entkoppeln. (mehr)
  • Skills-Training kombiniert mit Konzentrativer Bewegungstherapie, ein störungsspezifisches Gruppenangebot u.a. zur Verbesserung der Spannungsregulation, des Körpererlebens, der Lösung von Fixierungen auf problematisch erlebte Zonen und des positiven Annehmens des Körpers.
  • Psychoedukative Informationsgruppe zu Essstörungen.

2. Indikatives Behandlungsangebot

Die störungsspezifischen Angebote können je nach therapeutischem Fokus individuell gekoppelt werden mit den anderen Therapiebausteinen unseres Behandlungskonzeptes:

  • Integration in die psychodynamisch interaktionelle Gruppenpsychotherapie zur fokalen Bearbeitung psychodynamisch relevanter Konflikte, zentraler Abwehrmechanismen und Ängste. Diese Gruppe ist gekoppelt mit Gestaltungstherapie als Kreativverfahren zur Förderung des emotionalen Ausdrucks.
  • Integration in die verhaltenstherapeutisch orientierte Gruppe zur Förderung der sozialen Kompetenz, um soziale Defizite zu beheben und die Selbst- und Objektwahrnehmung zu verbessern. Diese Gruppe ist gekoppelt mit einem zusätzlichen körperpsychotherapeutischen Angebot.
  • Integration in die kreativtherapeutische Basistherapie, Konzentrative Bewegungstherapie oder Gestaltungsgruppe, u. a. zur Motivationsförderung.

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Psychische Störungen

Integratives Konzept zur Berufstherapie

Psychische Störungen zählen inzwischen zu den wichtigsten Ursachen von Krankschreibungen, wobei beruflichen Konfliktsituationen eine bedeutsame Rolle zukommt. Es zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Belastungen am Arbeitsplatz (z.B. soziale Konflikte, eingeschränkte Kontrolle, geringe soziale Unterstützung, hohe Arbeitsintensität) und psychischen Gesundheits-störungen wie Burnout, chronische Erschöpfung und depressive Störungen. Neue Erhebungen der Deutschen Rentenversicherung weisen darauf hin, dass jeder dritte Patient mit besonderen beruflichen Problemen zu kämpfen hat, jeder sechste weist stark ausgeprägte berufliche Problemlagen auf. In Kliniken für Psychosomatik betrifft dies etwa 21% bis 28 % der Patienten. Ausdruck davon ist, dass Erwerbstätige ohne medizinische Notwendigkeit zunehmend auf Medikamente oder Alkohol, Nikotin und auch illegale Drogen zurückgreifen, um ihre psychische Befindlichkeit und geistige Leistungsfähigkeit zu steigern. Die in diesen Daten dokumentierten psychischen, sozialen und ökonomischen Kosten lassen inzwischen auf breiter Ebene die Notwendigkeit erkennen, arbeitsbezogenen Therapiemaßnahmen einen zentralen Stellenwert im Rahmen der psychosomatischen Rehabilitation beizumessen.

Indikationsspektrum

Die arbeitsbezogenen Therapieangebote der Klinik Reinhardstal wurden auf Grundlage einer internen Evaluation und neuerer rehabilitationswissenschaftlicher Erkenntnisse als interdisziplinäres Behandlungskonzept zusammengeführt. Es bietet die Möglichkeit, die im komplexen Bedingungs-gefüge zwischen „Person“ und „Arbeit“ aktualisierten psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen der Patienten je nach Problemlage differentiell aufzugreifen und die erforderlichen Kompetenzen und arbeitsbezogenen Ressourcen zu fördern:

  1. Gruppentherapeutische Klärung berufsbezogener Einstellungs- und Verhaltensmuster, des Arbeitsstils, der Arbeits- und Zeitplanung, dem Kooperations- bzw. Sozialverhalten, von Möglichkeiten der Einflussnahme, von Ressourcen und Kompetenzen.
  2. Trainingstherapie zur Optimierung arbeitsbezogener Bewegungsabläufe unter Berücksichtigung von ergonomischen Aspekten.
  3. Einleitung von beruflichen Umstrukturierungs- bzw. Entlastungsmöglichkeiten gemäß dem psychischen, sozialen und körperlichen Fähigkeitsprofil der Patienten (Veränderungen am Arbeitsplatz, innerbetriebliche Umsetzung etc.).

Behandlungsangebot

1. Spezifische berufsbezogene Diagnostik

  • Berufsanamnese mit Erfassung der relevanten psychischen, psychosozialen und körperlichen Schwierigkeiten unter Einbeziehung eines umfangreichen Fragebogeninventars.
  • Physio- und ergotherapeutische Abklärung von körperlich-motorischen Funktionsdefiziten mit nachfolgenden arbeitsbezogenen Einschränkungen.
  • Interdisziplinär ausgerichtete (sozialmedizinische) Abklärung von Leistungseinschränkungen und –potentialen.

2. Berufstherapeutische Gruppenbehandlung mit arbeitsbezogener Projektgruppe

  • Berufsgruppe: Fokussierte Bearbeitung von beruflichen Konfliktsituationen auf Grundlage der folgenden Themenschwerpunkte: Stress und Überforderung, soziale Konflikte (Mobbing), Arbeitsstrukturen, Einstellungen zur Arbeit.
  • Projektgruppe: Durchführung arbeitsbezogener Projekte mit erlebnisnaher Erfassung und Förderung des Arbeitsverhaltens sowie der Planungs-, Kooperations- und Umstellungsfähigkeit.

3. Physiotherapeutische und ergotherapeutische Trainings

  • Realitätsnahe Abbildung der Arbeitsanforderungen und Vermittlung von entlastenden Bewegungstechniken unter Berücksichtigung ergonomischer Aspekte.
  • Ergotherapeutische Trainings zur Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitsplanung, Zeitmanagement, PC-Training; Training mentaler Fertigkeiten.

4. Klinischer Sozialdienst

  • Intensive Einzelberatung bei arbeitsbezogenen Problemen; Aktivierung von Unterstützungssystemen.
  • Klärung arbeitsbezogener Probleme in Kooperation mit betrieblichen Einrichtungen und sozialen Diensten (z.B. IFD). (mehr)

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Anpassungsstörungen

Medizinisch–psychotherapeutische Rehabilitation im höheren Lebensalter

Durch Veränderungen im sozialen Umfeld, die Zunahme von gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder den Verlust von Partnern und Angehörigen befinden sich ältere Menschen oft in einer Phase erhöhter seelischer Belastung, die pessimistische Sichtweisen und Selbstzweifel hervorrufen kann. Hinzu kommen soziale und existenzielle Verunsicherungen sowie Fragen hinsichtlich der eigenen Versorgung und Pflege, möglicherweise auch die innere Konfrontation mit früheren Schicksals-schlägen, die man längst bewältigt zu haben glaubte. Angesichts dieser Konfliktbelastungen leiden etwa 25% der Menschen im höheren Lebensalter (65 Jahre und älter) unter einer oder mehrerer psychischer Störungen, insbesondere unter affektiven Störungen (ca. 20- 25 %) und Angststörungen (ca. 5 – 10 %). Die Anzahl der Diagnosen steigt im Alter an, zudem besteht eine hohe Komorbidität mit körperlichen Erkrankungen. Unser ganzheitlich ausgerichtetes Behandlungs- und Rehabilitationsangebot zielt entsprechend darauf ab, die Patienten darin zu unterstützen, ihre psychischen und körperlichen Einschränkungen aktiv zu bewältigen und in ihr Selbsterleben zu integrieren, den eigenen Gesundheitszustand realistisch zu bewerten und aktiv zu erhalten und den persönlichen Alltag in entlastender Weise umzugestalten. Bestandteil davon sind Schulungen im Umgang mit neuen Kommunikationsmitteln (Automaten, Handy, PC) sowie Informationen über Hilfsmittel und ambulante Unterstützungsangebote. (mehr)  

Indikationsbereiche

1. Psychische Erkrankungen (Affektive Störungen, Angststörungen, Belastungs- und somatoforme Störungen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen) infolge von aktuellen psychosozialen Konflikten, nicht mehr kompensierbaren lebenslangen Konfliktbelastungen und/oder von Traumareaktivierung.
2. Psychische Komorbidität bei schwerwiegenden aktuellen und/oder chronischen körperlichen Erkrankungen und damit einhergehenden Beeinträchtigungen der Krankheitsbewältigung.

Behandlungsangebot

1. Erkrankungen, Krankheitsfolgen und Lebensschicksale bewältigen

  • Bewältigung von psychosozialen Umbruchsituationen, Todesfällen, dem Verlust an sozialen Bezügen, existenziellen Unsicherheiten und dem Alleinsein im gemeinsamen Gespräch.
  • Abmilderung körperlicher Beeinträchtigungen und Schmerzen sowie damit verbundener Selbstzweifel; Aufarbeitung von Schicksalsschlägen und reaktivierter traumatischer Erlebnisse.

2. Gesundheitszustand abklären und stabilisieren

  • Fachärztliche Abklärung des Gesundheitszustandes (Neurologie, Innere Medizin, Orthopädie, Urologie). (mehr)
  • Physiotherapeutische und balneophysikalische Behandlungen zur Verbesserung der körperlichen Fitness und zur Schmerzlinderung.
  • Ergotherapeutisches Training  (Mentales Training, Handy- und PC-Training, Heilmittelanpassung). (mehr)

3. Bewegung, Ernährung und Freizeitverhalten verbessern

  • Einübung von krankheits- bzw. leistungsangepassten (sportlichen) Aktivitäten.
  • Förderung einer gesunden Ernährungsweise durch gemeinsames Kochen (Lehrküche). (mehr)
  • Anregungen zur Strukturierung des Alltags und des Freizeitverhaltens.

4. Angehörige einbeziehen und sich gemeinsam informieren

  • Einbeziehung von Partnern/Angehörigen, um über psychische und körperliche Erkrankungen zu informieren und den Umgang mit krankheitsbedingten Belastungen zu verbessern. (mehr)
  • Informationen über sozial- und versicherungsrechtliche Fragen, Hilfs- und Betreuungsangebote sowie über Freizeit- und Kontaktmöglichkeiten am Heimatort.

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Psychische Störungen

Die Einbeziehung der Angehörigen in den Rehabilitationsprozess

Familien- und Paarbeziehungen haben sich als wesentliche Einflussfaktoren bei der Entstehung, Aufrechterhaltung und der Besserung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen erwiesen, z.T. auch bei körperlichen Erkrankungen mit psychischer Komorbidität. Studien zeigen, dass die Hinzuziehung von Angehörigen das Behandlungsergebnis bei Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen, Essstörungen somatoforme Störungen und Persönlichkeitsstörungen erheblich verbessern kann. Angehörige können ein stützendes Beziehungsumfeld bieten und somit wesentlich zur Förderung der Heilungsprozesse beitragen („Co-Therapeuten“), sie können aber auch selbst durch die seelische Erkrankung von Partnern oder anderen Familienmitgliedern in eine gravierende psychische Belastungssituation geraten („Mit-Betroffene“) und/oder durch negative interaktive Einflüsse zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Erkrankungen beitragen. Um diese Prozesse aufzugreifen und die gesundheitsstabiliserenden Einflüsse des Angehörigensystems wirksam zu fördern, kommt der systematischen Einbeziehung von Angehörigen in die stationäre psychosomatische und psychotherapeutische Rehabilitation ein hoher Stellenwert zu, nicht zuletzt auch zur Festigung der im Rahmen der stationären Behandlung eingeleiteten Veränderungsschritte.

Zielgruppen

Patienten und Angehörige (Partner, Familienmitglieder),

  1. die Informationen und eine Aussprachemöglichkeit über die mit psychischen und psycho-somatischen Erkrankungen verbundenen partnerschaftlichen und familiären Belastungen (Krankheits- und Behandlungsverständnis; Erwartungs- und Kommunikationsmuster; Unterstützungsmöglichkeiten) wünschen;
  2. die therapeutische Unterstützung suchen, um sich gemeinsam mit einer akuten partnerschaftlichen und/oder familiären Konfliktsituation auseinanderzusetzen und Lösungsperspektiven zu erarbeiten;
  3. die Hilfe und Aufklärung zur Bewältigung der interaktiven und emotionalen Auswirkungen von somatischen Erkrankungen (Erkrankungen mit somatopsychischer Komorbidität) benötigen.

Behandlungsangebot

Die Angehörigenarbeit der Klinik Reinhardstal wird indikationsabhängig in unterschiedlichen Settings durchgeführt und beruht grundsätzlich auf den Prinzipien der Freiwilligkeit und des Einverständnisses von Patient und Angehörigem. Das Angebot ist für die Angehörigen kostenfrei, eine Mitbehandlung von Angehörigen als Begleitpersonen sowie auf Selbstkostenbasis wird angeboten. Partner- und Angehörigenseminare

1. Partner- und Angehörigenseminare

  • Angebot für Patienten und ihre Angehörigen; 1 x monatlich, ca. 6 Stunden
  • Themen: Krankheits- und Behandlungsverständnis bei psychischen und psychosomatischen Erkrankungen; Paar- und Familiendynamik bei psychischen Störungen, Überprüfung von förderlichen und problematischen Interaktionsprozessen; Techniken zur konstruktiven Gesprächsführung und zur „Deeskalation“, Entwicklung von gemeinsamen Lösungsschritten

2. Paar- und Familiengespräche

  • Gezielte Beratung bei paar- bzw. familiendynamischen Konfliktsituationen; Konkretisierung der möglichen Konflikthintergründe und Entwicklung/Einleitung von Lösungsschritten.
  • Information über und Einübung von Kommunikationsregeln und -techniken.
  • Information über Beratungsmöglichkeiten am Heimatort.

3. „Familienmedizinische“ Beratung

  • Beratung und Information über die Ursachen und Auswirkungen von somatopsychischen Erkrankungen und der damit verbundenen persönlichen und zwischenmenschlichen Beeinträchtigungen.
  • Fördern und Unterstützen von Kompetenzen und Ressourcen zur innerfamiliären Krankheitsverarbeitung.

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