Unser urologisches Therapiekonzept

Kontinenztraining Klinik Wildetal

In der Klinik Wildetal wurde von dem leitenden Sportlehrer und Physiotherapeut Wolfgang Ide ein spezielles Trainingsprogramm für die Therapie der Harninkontinenz nach einer radikalen Prostataentfernung oder Blasenentfernung entwickelt. Es umfasst die im weiteren Text dargestellten Inhalte. Die sehr gute Wirksamkeit des Konzeptes konnte in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden.

Im Gegensatz zur Frau ist es beim Mann nötig, speziell die Schließmuskulatur der Harnröhre zu trainieren und nicht die Beckenbodenmuskulatur in den Vordergrund zu stellen. Nur ein Muskel, der tatsächlich im Bereich der Harnröhre liegt und dessen Fasern zirkulär um die Harnröhre herum liegen kann für einen zufrieden stellenden Verschluss sorgen. Diese Anforderungen erfüllt die Schließmuskulatur der Harnröhre, aber nicht die Beckenbodenmuskulatur. Weitere Erläuterungen zu diesem Thema finden Sie in den, an anderer Stelle angegeben, Büchern.

 

Die Inhalte des Kontinenztrainings nach Ide:

1 Kognitive und sozio - emotionale Ziele

Zu Beginn der Behandlung sollte dem Patienten Aufbau und Funktionsweise des unteren Harntraktes verständlich erklärt werden. Gleichzeitig müssen Inhalte und Ziele des therapeutischen Handelns vermittelt werden und die Ursachen für die bestehende Problematik verständlich erklärt werden. Ziel ist es unter anderem, die Motivation für die Durchführung der Übungen zu erhöhen.

2 Sensomotorisches Training

Soll die Harnröhrenschließmuskulatur trainiert werden, muss der Patient diese zunächst einmal im Körper erfühlen, spüren und gezielt anspannen lernen. Diese Muskulatur existiert räumlich und funktionell losgelöst von der übrigen Beckenbodenmuskulatur. Durch Anspannen der Gesäßmuskulatur, der Oberschenkel und der Bauchmuskulatur kann dieser Muskel nicht optimal trainiert werden!
Je gezielter der Patient seinen Schließmuskel anspannen und kontrollieren kann, desto erfolgreicher wird das Training sein, und umso besser wird er das Erlernte im täglichen Leben umsetzen können. Durch ein sensomotorisches Training verbessern wir die „Kommunikation“ zwischen Gehirn und Harnröhrenschließmuskulatur.

3 Krafttraining für die Harnröhrenschließmuskulatur

Damit ein Training zu einer Steigerung der Muskelkraft führt, muss es den in der Trainingswissenschaft erforschten Gesetzmäßigkeiten entsprechen. Anspannungsdauer, -intensität, Anspannungshäufigkeit und die Zahl der Trainingseinheiten pro Tag oder Woche müssen festgelegt werden, um einen Therapieerfolg zu gewährleisten und ein Übertraining des Muskels zu vermeiden. Um eine Schädigung von Strukturen, die sich in einem Heilungsprozess zu vermeiden, sind die Zeitphasen der Wundheilung unbedingt zu berücksichtigen. Nach einer Operation sollten Maximalkraftübungen der betreffenden Muskulatur für einen Zeitraum 8 bis 12 Wochen vermieden werden. In dieser Phase sind Kraftausdauer- und Koordinationsübungen sinnvoll.

4 Training der Situationen des täglichen Lebens

Alle erlernten Fertigkeiten müssen in die im täglichen Leben vorkommenden Situationen und Aktivitäten übertragen werden. Ein monatelanges Training im Liegen ist zwar sicher nicht gänzlich verkehrt, entspricht aber nicht den Anforderungen, die durch Treppensteigen, Husten/Niesen, Heben und beim Aussteigen aus dem Auto von der Schließmuskulatur der Harnröhre zu bewältigen sind. Langfristiges Ziel ist eine Konditionierung, durch die Automatismen gebahnt werden.

5 Akupressur

Zwei der für die Kontinenz verantwortlichen Muskeln unterliegen nicht der willkürlichen Steuerung. Auch die Regulation der Blase erfolgt über das unbewusste (autonome) Nervensystem. Dieses Nervensystem kann nur bedingt durch gymnastische Übungen und Training beeinflusst werden. Die Akupressur bietet die Möglichkeit, Einfluss auf autonome Abläufe zu nehmen und den Heilungsprozess zu unterstützen.

6 Ergänzende Maßnahmen

Bei einigen wenigen Patienten kann es nötig sein, das Training durch Biofeedbackgeräte, Elektrotherapie, Manuelle Therapie oder Ostheopathie zu ergänzen. Dies erfolgt in den entsprechenden Fällen nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.