Unser orthopädisches Therapiekonzept
- Basisprinzipien der Physiotherapie -
Das orthopädische Therapiekonzept stützt sich auf die nachfolgend aufgeführten Therapieschwerpunkte. Generell orientieren wir uns an funktionell begründeten Therapiezielen, die in Absprache mit dem Patienten zu Beginn der Behandlung bestimmt werden. Diese Ziele können sich auf bestimmte Funktionen wie z. B. „alleine eine Treppe steigen zu können“ oder „sich selbstständig ankleiden zu können“, aber auch auf gesellschaftliche und andere Bedürfnisse richten, wie „wieder am Kegelabend mit den Freunden teilnehmen zu können“.
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Training der Aktivitäten des täglichen Lebens
Ein guter Therapieerfolg ist nur zu erwarten, wenn die in den beiden Bereichen Sensomotorik und Kraft erübten Fertigkeiten auch auf die im täglichen Leben vorkommenden Situationen übertragen werden. Leider übernimmt der Mensch selektiv trainierte Fertigkeiten nicht automatisch in die Situationen des täglichen Lebens. Der Übertrag kann an speziellen Bewegungsformen exemplarisch dargestellt und geübt werden, die möglichst realitätsnah gestaltet werden sollen. Die häusliche Situation und die am Arbeitsplatz müssen sowohl im Rahmen der Anschlußheilbehandlung als auch bei chronischen Krankheitsbildern beachtet werden.
Dieser Zusammenhang sollte schon früh in der Gestaltung der Physiotherapie berücksichtigt werden, was z.B. so bald wie möglich Belastungen in aufrechter Position mit zulässiger Gelenkkompression und ein Training in der geschlossenen muskulären Kette verlangt.
Schmerzreduktion
Um die Patienten, bei denen zunächst die Schmerzsymptomatik im Vordergrund steht, korrekt behandeln zu können, müssen wir zwei prinzipiell verschiedene Arten des Schmerzes unterscheiden. Die aktuelle Schmerztherapie unterteilt den Schmerz in einen biologisch angepassten (akuten) und einen unangepassten (chronischen) Schmerz. Viele andere therapeutische Herangehensweisen betrachten den Schmerz eindimensional als ein rein sensibles Geschehen. Im Bereich der Schmerztherapie ist jedoch schon lange bekannt, dass es sich um ein dreidimensionales Geschehen handelt, denn neben der sensiblen müssen auch die kognitive und die affektive Dimension des Schmerzes berücksichtigt werden. In der sensiblen Dimension zeigen sich Lokalisation, Qualität, Art und Intensität des Schmerzes. In der kognitiven Dimension beeinflusst der Schmerz unsere Gedanken. Die affektive Dimension des Schmerzes spiegelt unsere Gefühle wieder.
Mobilisation
Die spezifischen Zeitfenster für die Phasen der Wundheilung der unterschiedlichen Gewebe sind bei der Behandlung unbedingt zu berücksichtigen. Kurzzeitig bestehende Bewegungseinschränkungen lassen sich in den meisten Fällen bereits durch mobilisierende Bewegungen im schmerzfreien Raum beheben. Bestehen die Defizite in der Mobilität bereits seit einem längeren Zeitraum, sind Dehntechniken anzuwenden.
Unabhängig von der Dehntechnik, die gewählt wird, muss berücksichtigt werden, dass beim Auffinden einer eingeschränkten Bewegung nicht nur allein der Muskel als Verursacher in Betracht gezogen werden darf, sondern die Funktionsfähigkeit und Beweglichkeit der Gelenkkapsel und des Nervensystems sind ebenfalls zu beurteilen. Ist eine Verkürzung eines Muskels gefunden worden, muss überlegt werden, durch welche Mechanismen diese Verkürzung zustande gekommen ist. Diese Beurteilung beinhaltet die ungelöste Frage nach Normwerten und einer allgemeingültigen Differenzierung zwischen krankhafter, erhöhter und normaler Muskelspannung. Eine gültige Definition für eine Muskelverkürzung existiert nicht.
Generell gilt es, bei allen Dehnungsübungen die Belastung der Bandscheiben, der Wirbelsäule und anderer aktiver und passiver Strukturen zu bedenken. Einige traditionelle Dehnpositionen führen zu einer Belastung der Bandscheiben, die in vielen Fällen ungünstig sein kann.
Sensomotorisches Training
Zu einer guten orthopädischen Therapie gehört nicht nur die Steigerung der Kraft, sondern der Patient muss vor allem lernen, diese Kraft differenziert anwenden zu können. So muss ein Fußballspieler beim Elfmeter nicht nur fest an den Ball treten, sondern ihn auch optimal treffen. Man kann sogar sagen, gut getroffen ist besser als fest getreten und daneben geschossen. Aufgrund dieses Sachverhaltes muss auch in einer Therapie die Steuerung der Bewegung durch das zentrale Nervensystem verbessert werden.
Ein sensomotorisches Training geht daher immer einem Krafttraining voraus. Auch die Aktivitäten des täglichen Lebens können nur auf der Basis einer guten Koordination geschult werden.
Krafttraining
Nicht jede beliebige Muskelanspannung kann als Krafttraining bezeichnet werden. Ein Krafttraining muss ganz bestimmten, in der Trainingslehre beschriebenen, Gesetzmäßigkeiten entsprechen. Die Reizintensität, die Reizdauer, die Reizdichte und die Reizhäufigkeit müssen in einem bestimmten Verhältnis stehen, damit ein optimaler Trainingsreiz gesetzt wird. Die Erkenntnisse der Sportwissenschaft gelten selbstverständlich auch für die Behandlungen der Physiotherapie. Es ist in diesem Zusammenhang jedoch auch wichtig, bereits geschädigte Strukturen nicht zu überlasten. Besonders im Rahmen der Anschlußheilbehandlung muss der Therapeut die unterschiedlichen Phasen des Heilungsprozesses der einzelnen Gewebe kennen und in ständiger Rücksprache mit dem behandelnden Arzt stehen.
Schulungen/Seminare
Die Schulungen sind ein wesentlicher Bestandteil der Therapie der Klinik Wildetal. Nur ein gut informierter Patient ist in der Lage, nach dem Verlassen unseres Hauses in einem vertretbaren Rahmen eigenverantwortlich zu handeln. Das Verstehen der Krankheitsursache, der Symptome und der Ziele und Wirkungsweise der angewendeten Therapien setzt die Basis, um den Patienten für ein Weiterführen der Übungen zu Hause zu motivieren. Eine Änderung der die Gesundheit negativ beeinflussenden Lebenshaltung ist nur zu erwarten, wenn der Patient den Sinn der übermittelten Inhalte auch nachvollziehen kann. Eine Schulung findet so auch nicht nur in den extra hierzu verordneten Seminarmodulen statt, sondern auch in jeder Einzel- und Gruppentherapie unserer Abteilung. Von herausragender Wichtigkeit ist es, den Patienten ein Übungsprogramm für zu Hause aufzustellen, da nur so ein dauerhafter Therapieerfolg zu erwarten ist.
- Sporttherapie -
Die Anwendungen der Sporttherapie komplettieren die Physiotherapie. Die besondere Aufgabe der Sporttherapie ist es, den Patienten zu möglichst lebenslanger körperlicher Aktivität zu motivieren. Klicken Sie bitte auf die Therapieoptionen, um sich weiter zu informieren.
Ausdauertraining
Ein Training der Ausdauer ist das gesundheitsorientierte Training schlechthin. Etwa 75% der zur Verfügung stehenden Zeit sollten für das Training der Ausdauer aufgewandt werden. Im Rahmen eines Rehabilitationsaufenthaltes in der Klinik Wildetal kann ein Outdoortraining, ein Indoortraining und ein Training im Wasser durchgeführt und erlernt werden.
Krafttraining
Das Ziel des Krafttrainings innerhalb der Klinik Wildetal ist nicht, große Muskelberge aufzubauen, sondern spezielle Defizite aufzuarbeiten und ein gutes Muskelkorsett für die Prävention von orthopädischen Beschwerden zu realisieren. Patienten, die vor kurzem operiert worden sind, hilft das Training, die Anforderungen des täglichen Lebens schneller wieder bewältigen zu können.
Gymnastik und Sportspiele
Bei diesen Anwendungsformen stehen Spaß am Spiel und sozialer Umgang im Mittelpunkt. Die Gymnastikgruppen sind speziell auf die Erkrankungen und die Leistungsfähigkeit der Patienten abgestimmt.







